Gequetscht zwischen einem Haufen von Menschen stehe ich mit dem Gesicht zur Tür in der Metro und fühle mich wie in einer Sardinenbüchse. Gerade habe ich mich noch in einen Wagen der Metrolinie 1 retten können, bevor das vertraute Summen ertönt und die Türen automatisch schließen. Man merkt - es ist mal wieder Samstag. Wochenende. Die Linie 1, die wirklich alles Wichtige, was in der Riesenstadt zu sehen ist, abfährt, muss am Wochenende doppelt so viel leisten, wie alle anderen. Daher fährt sie auch in Zweiminuten- Abständen. Ein bisschen genervt über so viele Menschen, die die unterschiedlichsten Sprachen sprechen, steige ich am Place de la Concorde aus, um mich dort mit einer Freundin zu treffen, um dann gemeinsam weiter zum Château de Vincennes zu fahren.

Plötzlich merke ich, dass ich ja, obwohl ich nun schon seit sechs Monaten hier wohne, selber zum Tourist werde. Aber das ist ja auch kein Wunder, bei einer Stadt, an der man an jeder Ecke und Ende ein berühmtes Bauwerk, eine Kirche, ein Museum oder einfach nur ein wunderschönes altes Haus entdecken kann.

Wer als Tourist nach Paris kommt, wird gänzlich erschlagen von dem reichlichen kulturellen Angebot, das die Stadt bietet. So wälzt man einen Reiseführer nach dem anderen, was denn unbedingt sehenswert ist und auf jeden Fall ins Programm der nächsten drei Tage aufgenommen werden muss. So ist es schön zu wissen, dass ich für all das noch fünf Monate Zeit habe und mich nicht auf ein vollgestopftes Dreitageprogramm beschränken muss.

Als erstes fällt einem natürlich das Wahrzeichen von Paris schlechthin ein- der Eifelturm. Erbaut zur Weltausstellung 1889 lassen sich jährlich ungefähr drei bis vier Millionen Menschen auf das 300m hohe Bauwerk fahren. Bei klarem Wetter hat man einen wunderbaren Rundumblick auf die ganze Stadt.

Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass man sich vorher genau überlegen sollte, wann man den Weg auf die drei verschieden hohen Plattformen antritt, denn an so manchem Samstag oder Sonntag kann es schon sein, dass man mehrere Stunden auf sein unvergessliches Höhenerlebnis warten muss.Wer es lieber etwas bodennah mag, der ist in der Rue de Rivoli genau richtig. Von der großen Einkaufsstraße mit unzähligen Geschäften und Boutiquen kann man bequem die berühmte Kirche Notre Dame, die sich auf der Ile de la Cité befindet, das Hôtel de Ville, und stadteinwärts das Centre Georges Pompidou zu Fuß erreichen.

Notre Dame, die ja aus dem Glöckner von Notre Dame bekannt ist, lässt den Besucher schon allein durch ihre Größe und ihre gewaltigen Säulengänge ins Staunen geraten. Wenn man Glück hat, kommt man sogar in den Genuss einer Messe, bei der es anscheinend auch nicht stört, dass Massen von Touristen zeitgleich die Kirche bestaunen und unzählige Fotos- natürlich ohne Blitz- schießen. Wer aber eine Abneigung gegen zu viel Weihrauch haben sollte, sollte sich dem Inneren der Kirche eher fernhalten. Denn daran wird während der Messe wirklich nicht gespart, wie ich unfreiwilligerweise erfahren musste.

Auch einen Besuch wert ist das Hôtel de Ville. Das Rathaus der Stadt fasziniert allein durch sein Bauwerk. Wie ein König erhebt es sich über den Platz und scheint alles zu überblicken. Doch das Rathaus hat nicht nur eine administrative Funktion, sondern wird auch regelmäßig für Ausstellungen genutzt. Aber auch hier gilt die Regel, sich einen günstigen Zeitpunkt für eine Besichtigung auszusuchen, da sonst schon mal der ganze Tag mit Warten ausgefüllt werden kann.

Stadteinwärts ist das Centre Georges Pompidou eigentlich gar nicht zu übersehen. „Große Waschmaschine“ nennen einige Kritiker das futuristisch angehauchte Gebäude. Natürlich ist ein dermaßen modernes Bauwerk inmitten einer Altstadt nicht jedermanns Geschmack, doch bietet es auf jeden Fall einen reizvollen „Hingucker“ und die Besucher strömen nur so in die Ausstellungen. Das erste Highlight ist die Fahrt mit der Rolltreppe, die sich in einem Plexiglastunnel befindet und einen herrlichen Ausblick auf das Marais ( das jüdische Stadtviertel) und die Stadt bietet.

Ein anderes Muss eines Parisbesuchs ist natürlich die weltberühmte Achse ausgehend von Musee du Louvre, Jardin de Tuleries, Place de la Concorde, Avenue des Champs- Elysee, L´Arc de Triomphe und schließlich Le Grande Arche. Wie eine Linie durchziehen diese Sehenswürdigkeiten die Stadt. Angefangen beim größten Museum der Welt- dem Louvre. Dieser übt allein durch seine Architektur eine besondere Faszination aus. Auch die gläserne Pyramide, die den Eingangsbereich des Museums darstellt, ist ein Blickfang. Wer nicht über viele Kunstkenntnisse verfügt, sollte sich aber einer geführten Besichtigung anschließen. Denn im Louvre kann man sich leicht verlieren, weil es einfach so viel anzuschauen gibt. Natürlich findet jeder die „Mona Lisa“ und  die „Venus von Milo“, aber schließlich möchte man mehr sehen, als der typische Tourist.

An den Louvre schließt sich der Jardin de Tuleries an, der besonders im Frühjahr und Sommer sehr reizvoll ist. Mit seinen Springbrunnen, zahllosen Rasenflächen und seiner Blumenpracht lockt er Jung und Alt an. Die kleinen Cafés und Biergärten laden zu einem Eis oder einem Café Creme ein. So flaniert man durch den Hauptgang und sieht rechts und links kleine Grüppchen Jugendlicher im Kreis sitzen, die sich über die letzten Neuigkeiten austauschen. Zwei Meter weiter flüstert sich ein verliebtes Pärchen im Gras liegend Zärtlichkeiten ins Ohr.

Kinder lassen ihre Motorboote auf den Springbrunnen fahren. So kommt hier jeder auf seine Kosten, der ein bisschen Ruhe vor dem Großstadtgetummel sucht.

Ein bisschen mehr „action“ findet man auf dem Place de la Concorde, auf dem der berühmte Obelisk steht und auf der Champs Elysee, der größten Straße der Welt. „Diese Straße schläft nie“, so sagt man. Und das mit Recht. Rund um die Uhr spazieren hier Touristen aus aller Herren Länder und die Reichen und Schönen lassen sich in den teuersten Restaurants der Stadt verwöhnen. Auf der berühmtesten Straße der Welt gibt es für jeden etwas zu sehen, angefangen von den zahllosen Restaurants, Boutiquen, bis zu Kinos und Hotels, die das Budget der meisten Leute bei weitem überschreiten würden. Aber schauen kann man ja mal und mit ein bisschen Glück kann sogar einen Blick auf einen Promi erhaschen, der gerade aus der Edelboutique Louis Vuitton herausspaziert kommt.

Endlich angekommen beim L´Arc de Triomphe, ist der ein oder andere über den riesigen Kreisverkehr um das Wahrzeichen herum entsetzt. Wie Ameisen tummeln sich die Autos um den Platz herum und gekonnt schlängeln sich die Autos im Verkehr. Wer selber mal in den Genuss kommen möchte, einmal mit dem eigenen Auto um den Place Charles de Gaulle zu fahren, sollte dies nachts zwischen vier und fünf tun. Denn da kommt man sicher nicht in Bedrängnis. Schon vom Triumphbogen aus hat man eine einzigartige Aussicht auf das Wolkenkratzerviertel von La Defense mit dem Grande Arche. Dieser rechteckig ausgehöhlte Kubus ist besonders eindrucksvoll wenn abends die Dämmerung hereinbricht. Wie ein Zwerg steht man vor dem Bauwerk und kann nur staunen über die einzigartige Architektur.Nicht zu vergessen bei einem Parisbesuch ist natürlich auch ein Abstecher in das Stadtviertel Montmatre. Wie ein kleines Dorf erhebt sich das Viertel über der Stadt. Kleine beschauliche Gässchen mit Cafés und Imbissständen aus allen Herren Ländern sind hier typisch. Man denkt nicht, dass man sich noch in der Großstadt befindet. Fern von Wolkenkratzern, Bürogebäuden, Metrolärm und Menschenmassen, kann man hier durch enge Sträßchen schlendern und allerlei Kunsthandwerk bewundern. So kann man sich am Place de Tertre alle zwei Meter poträtieren lassen und als Mitbringsel für die Lieben zu Hause kaufen. Die Krönung von Montmartre bildet aber die weltberühmte Kirche Sacre Coeur, die mich immer an ein Zuckerbauwerk aus dem Orient erinnert. Nicht nur die Architektur bringt einen ins Staunen sondern es ist auch eine einzigartige Erfahrung eine heilige Messe mitzuerleben.Nach dem Besuch der Kirche, kann man dann die unvergessliche Aussicht, die man bei gutem Wetter hat, genießen. Wie eine Spielzeugstadt erstreckt sich Paris zu unseren Füßen.    Am Fuß des „Berges“ erstreckt sich das sogenannte Vergnügungsviertel.

Rund um die Metrostation Pigalle findet man das typische Rotlichtviertel und die weltberühmte Moulin Rouge, wo auch noch heute Varieteveranstaltungen stattfinden, die aber nicht gerade billig sind. So muss man schon mit einem Preis zwischen achtzig und hundert Euro für eine Tanzvorführung rechnen.

Man kann nicht gerade behaupten, dass es einem in Paris irgendwann einmal langweilig werden könnte. Das Angebot an Museen, Gärten, Bauwerken ist unermesslich.

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