Eine schwarze Limousine gleitet elegant
an mir vorbei. Wie ein Schiff bahnt sie sich ihren Weg durch die
großen Straßenzüge des 8. Arrondissements.
Unvermittelt hält sie vor einem Restaurant, das für
unsereins unbezahlbar aussieht. Zwei schick gekleidete Damen und
Herren steigen aus dem Wagen und überlassen den „Schlitten“
dem Portier, der das Glück hat, die „Limo“ am Straßenrand
zu parken. Langsam steuern die Damen auf ihren hohen Stöckeln
das Restaurant an, in dem es wahrscheinlich die teuersten
Meeresfrüchte in ganz Paris gibt. Die Herren folgen ihnen in
einigem Abstand.
Eine Straße weiter verlässt
ein Pärchen ihr Wohnhaus- sie in einen warmen Pelzmantel
gehüllt, er in Gucci Schuhen- und steigt in einen riesigen Range
Rover ein. Man hört nur noch den Motor aufheulen und schon
brausen die zwei davon - vermutlich zu ihrem nächsten „Diner“.
Man merkt, man befindet sich im achten
Arrondissement in Paris. Eines der edelsten und teuersten
Stadtviertel. Unweit befindet sich die berühmte Champs Elysee
und der Place Charles de Gaulle Etoile mit dem berühmten L´Arc
de Triomphe.
Hier findet man statt Wohnhäusern
nur Büros von Banken und Versicherungen, allein aus dem Grund,
dass sich kein Normalsterblicher sich die horrenden Mieten in dieser
Nobelgegend leisten kann.
Und natürlich gibt es hier jede
Menge Touristen. Vor allem am Wochenende strömen die
Menschenmassen wie Ameisen aus der Metrostation Charles de Gaulle
Etoile, um sich den berühmten Triumphbogen und die Champs Elysee
anzusehen.
Nur etwa drei Kilometer weiter verlässt
man die Metrostation und denkt man ist auf einem türkischen
Basar gelandet. Mindestens drei exotisch aussehende Männer
stürzen sich auf die Menschen und winken mit ominösen
Zetteln, mit denen sie irgendwelche Waren an den Mann bringen wollen.
Dreist laufen sie den hilflosen Leuten hinterher und schreien ihnen
ihre supergünstigen Angebote hinterher. Das Bild, das sich einem
hier bietet, könnte nicht unterschiedlicher sein. Von den sauber
gehaltenen Avenuen in den Nobelvierteln, in denen die Reichen und
Schönen wohnen bis zu Straßen, die übersät von
Flyern, Abfall und Dreck kaum als solche identifiziert werden können.
Auf der anderen Seite der Straßenseite findet man eine
Geschäftskette, die sich „Tati“ nennt. Wie bei einem Basar
liegen hier die Waren aufgereiht in Körben und die 1, 2, und 5 €
Schilder zeigen den Kunden die besten Schnäppchen. Überwiegend
farbige und wenig begüterte stellen hier das Klientel dar. Wie
bei einem Hamsterkauf stürzen sich die Menschen auf die
günstigen Waren. Es geht zu wie auf dem Jahrmarkt, alle
versuchen sich gleichzeitig ihren Weg durch die Menschenmengen zu
bahnen. An der Ecke sitzt ein Mann, dessen Mantel mit seinen
Exkrementen besudelt ist. Ein unangenehmer Geruch geht von ihm aus
und die Menschen versuchen einen großen Bogen um ihn herum zu
gehen. Vor ihm steht ein Schild: „J´ai faim“. Er hält
eine Whiskeyflasche in der Hand und hat damit schon die Chance
verspielt, dass auch nur einer ihm Geld für etwas Nahrung gibt.
Alles wird ja doch nur wieder in Alkohol umgesetzt.
Paris ist eine Stadt, in der die
Gegensätze zwischen arm und reich nicht krasser sein könnten.
Von Viertel zu Viertel ändern sich nicht nur das Stadtbild
sondern auch die Bewohner. In den „populäreren“ Vierteln
wohnen meist Afro- Amerikaner, Nord- Afrikaner und Inder. Da viele
arbeitslos oder illegale Einwanderer sind und daher keine Arbeit
finden können, sind die Wohnhäuser und Straßen
dementsprechend heruntergekommen. Oftmals wohnt eine Familie mit mehr
als zehn Personen unterschiedlicher Generationen in einer Zwei-
Zimmerwohnung mit zwanzig Quadratmetern. Wie in überdimensionale
Wohnsilos gepfercht, vegetieren diese Familien vor sich hin und
hoffen auf ein besseres Leben als in ihrer Heimat.
Natürlich gibt es auch das
komplette Gegenteil- die Schwerreichen. Meist sind es Anwälte,
Versicherungsangestellte oder Ärzte, die teure
Penthousewohnungen in den besseren Vierteln der Stadt bewohnen. Sieht
man den ganzen Reichtum und den Wohlstand der Wenigen wird klar, dass
viele Menschen hier ihr Glück versuchen wollen ein besseres
Leben aufzubauen. Doch die vielen Bettler bezeugen das Gegenteil. Wer
einmal in die Armut abgerutscht ist, kommt nur schwerlich heraus. Wie
auch in Deutschlands Großstädten sind Arbeitsplätze
für Schlechtausgebildete rar und das Leben auf Kosten des
Staates ist oftmals nicht so schlecht. Öffentliche
Einrichtungen, die Grundnahrungsmittel und Kleidung an die Bettler
verteilen, sind über die ganze Stadt verstreut. So etwas wie
einen Mittelstand findet man in der Metropole eigentlich gar nicht.
Entweder man ist reich oder arm, kann sich eine teuere Wohnung und
eine gute Schulausbildung für seine Kinder leisten oder eben
nicht. Den Touristen wird bei ihrem Besuch Paris von seiner schönsten
Seite vorgestellt, mit seinen unzähligen Museen, öffentlichen
Plätzen und den wunderschönen alten Gebäuden. Doch die
ärmeren Gegenden werden meist gemieden, um die Besucher nicht
abzuschrecken. Sollen sie doch ein positives Bild von Paris mit nach
Hause nehmen.
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