„Hey, jetzt geht die Party ab!“,
ruft Maria, eine unserer Praktikantinnen, in die Runde. Gesagt,
getan. Aber so einfach ist das in einer Riesenstadt wie Paris gar
nicht. Denn man fragt sich: wo sind die besten Bars? Wo sind die
günstigsten Diskotheken, in denen sich einem nicht gleich die
Fußnägel aufrollen, wenn man auf die Getränkeliste
schaut. Wann ist die Happy Hour mit Cocktails für erschwingliche
fünf Euro? Wo sind die angesagtesten Leute zu finden? Fragen
über Fragen, die das Ausgehen in der Metropole echt zum
Ausdauersport machen. Seit sechs Monaten sind wir jetzt hier und
haben vielleicht einen Bruchteil des Angebots an Nachtclubs und
Diskotheken „ausgecheckt“. Und man will seinem Besuch ja dann
auch etwas bieten, wenn der, voller Erwartungen aus Deutschland
angereist kommt und sich auf das Nachtleben in Paris freut.
Aber das Angebot an Diskotheken und
Bars erschlägt einen regelrecht. Zwar kauft man sich ein- ,
zweimal den Parisscop, um herauszufinden, was so abgeht in der
Weltstadt, doch ist man danach meist genauso schlau wie vorher. In
der kleinen Broschüre ist zwar alles aufgelistet, es steht
jedoch keinerlei Wertung dabei. Und so gilt der weise Spruch: Wer die
Wahl hat, hat die Qual! Da ist es schon ratsam, entweder Einheimische
zu kennen und deren Rat anzuhören oder wie in unserem Falle die
Vorschläge ehemaliger Au-pairs anzunehmen. So testeten wir im
Laufe der letzten Monate einige Discos und Bars aus, die uns so heiß
empfohlen wurden. Letztlich stellten wir fest: ja, in Paris kann man
durchaus Spaß haben!
Im Grunde genommen kommt hier jeder auf
seine Kosten. Da hier, wie in jeder anderen Großstadt die
verschiedensten Musikszenen, von Rock, Punk, Techno, House bis hin
zum Hip Hop vertreten sind, findet jeder den Club seiner
Musikrichtung. So verschlägt es uns regelmäßig ins
Flêche d´Or. Ein alte umgebaute Bahnhofshalle mit einer
Bühne, die in einen goldenen Rahmen integriert ist, ist die
richtige „Absteige“ für alle, die auf Rock und Indie stehen.
Das Besondere an dem Club ist, dass er gratis ist und dass sogar
jeden Abend der Woche -außer Sonntag- dort Live Bands spielen.
Die stehen dann im obenerwähnten goldenen Rahmen und
präsentieren ihre Playlists.
Auch ein Rockknüller ist jeden
zweiten Samstag die Rockparty bei Pigalle im „Divan du Monde“.
Hier trifft sich alles, was ein wenig Musikgeschmack hat und tanzt,
bis früh um halb sechs geschlossen wird. Vorteil: Man kann mit
der ersten Metro heimfahren und braucht nicht eine Odyssee mit dem
Nachtbus auf sich zu nehmen. Aber im „Divan“ geht es nicht nur
rockig zu, teilweise sind auch ruhigere Klänge zu vernehmen und
hin und wieder findet dort auch eine Filmvorführung statt.
Wer lieber auf internationalen
Austausch steht, der ist auf der Erasmus Studentenparty genau
richtig. Gleich in mehreren großen Diskotheken in Paris findet
man sie und sie ist wirklich nur zu empfehlen. Und das Beste ist,
dass es vor 00.30 keinen Eintritt kostet- doch Vorsicht: die Happy
Hour geht nur bis 1.00 Uhr. Also lieber rechtzeitig da sein, um sich
noch mit den leckeren Cocktails einzudecken. Ja, und dann nichts wie
ins Getümmel, wo man wirklich Studenten aus der ganzen Welt
treffen kann und kulturellen Austausch ausüben kann. Wer dann
auch noch auf House und Hip Hop steht, für den ist der Abend
gelaufen. Der kann sich dann nämlich bis in die frühen
Morgenstunden die Füße wund tanzen. Unpraktisch ist nur,
dass diese Partys grundsätzlich unter der Woche stattfinden und
wer früh raus muss, muss die Zähne zusammenbeißen und
mit viel Kaffee den nächsten Arbeitstag überstehen- aber
wir sind ja nicht aus Zucker.
Doch am Wochenende haben eindeutig die
Mädels gewonnen. Denn in vielen Discotheken ist vor zwölf
freier Eintritt für alle weiblichen Besucher. Klar, dass der
Laden dann spätestens bis Mitternacht gerammelt voll ist- es
kost´ ja nix. Und wenn es frau nicht gefällt, zieht sie
halt weiter in die nächste Disse.
Und so stehen das „O´Sullivans“
und die „La Loco“ ganz oben auf unserer Liste, wenn es darum
geht, mal wieder eine Nacht durchzutanzen. Doch Vorsicht: diese
Discos sind allgemein als sogenannte „Aufreißerschuppen“
bekannt. Am besten man nimmt sich einen männlichen Begleiter mit
und teilt dann den Eintrittspreis von circa 10 bis 15 Euro unter
allen Mädels auf. So ist man sicher vor lästigen Anmachen
und wildem „Angetanze“.
Wer es lieber etwas ruhiger mag, der
kann sich natürlich auch gemütlich in eine Bar setzen,
einen Cocktail schlürfen und dabei die anderen Leute beobachten.
Aber es gibt neben zahllosen Irishpubs,
in denen man Bier aus aller Welt genießen kann, auch
exotischere Bars wie zum Beispiel das Café Oz. Hierbei handelt
es sich um eine australische Bar mitten in Paris, die inzwischen so
etwas wie unsere Stammkneipe geworden ist. Ein wenig irritiert hat
uns bloß die Tatsache, dass dort nur Englisch gesprochen wird.
Wer also ein bisschen Fernweh nach Down Under hat, der ist hier
richtig aufgehoben. Und als Highlight werden auch noch alle Rugby-
und Footballspiele auf Großleinwand übertragen. Gute Laune
und Action ist hier immer zu finden.
Etwas urtümlicher sind die ganzen
kleinen Kneipen und
Bars, die man überall am Straßenrand
finden kann. Hierhin gesellen sich auch oftmals Einheimische und man
sagt ja, wo Einheimische sind, findet man auch Qualität.
Solche Bars sind auch die besten
Adressen mit Parisern ins Gespräch zu kommen. Preislich gesehen,
ist natürlich alles relativ, aber meistens unterscheiden sich
die Preise der Getränke nicht von den Preisen, die man in einer
deutschen Großstadt findet.
Ein absolutes Muss für alle
Nachtschwärmer ist
natürlich ein Abend auf der Champs
Elysee. Hier tobt bis früh um fünf das Leben. Neben
zahlreichen Nobeldiscos und Restaurants kann man hier wunderbar über
die Avenue flanieren, die Geschäfte, die teilweise bis spät
in die Nacht geöffnet haben, bewundern und die Reichen und
Schönen belächeln.
Ebenso Highlife bis spät in die
Nacht findet man bei Pigalle am Fuße von Montmarte. Hier ist
das Zentrum des sogenannten Rotlichtviertels und als Mädchen
sollte man abends nicht alleine dort herumspazieren.
Wer sich mal einen wirklich teuren
Abend gönnen will, der kann sich eine Variété-
Vorstellung in der weltberühmten Moulin Rouge ansehen.
Allerdings ist das kein billiger Spass und man muss dafür ganz
schön tief in die Tasche greifen. Leider ist uns dieses
Vergnügen bis jetzt durch die Lappen gegangen und so kann ich
nicht sagen, ob sich die achtzig Euro Eintritt lohnen würden.
Aber schauen kann man ja mal und schon
allein die Atmosphäre rund um Pigalle ist einen Besuch wert.
Übrigens funktioniert das System
der Nachtbusse ganz hervorragend. Zwar ist das Ganze ein wenig
kompliziert und man braucht manchmal Stunden um nach Hause zu kommen,
aber die Busse sind schön warm geheizt und so hat man des nachts
sogar noch eine kostenlose Sightseeing Tour.
Am Ende einer durchzechten Nacht ist
man dann froh, völlig erschöpft in seinem Bett zu liegen
und zu wissen, dass man am nächsten Tag ausschlafen kann. Und
doch- Paris lohnt sich auch bei Nacht!